Stiller Anruf: Niemand meldet sich oder +000000000 im Display

Sie nehmen ab, sagen Ihren Namen, und am anderen Ende ist nichts. Kein Atmen, keine Stimme, nach ein paar Sekunden ist die Leitung tot. Bei manchen steht nicht einmal eine Nummer im Display, bei anderen eine Reihe von Nullen wie +000000000.

Solche stillen Anrufe verunsichern viele, gefährlich sind sie meist nicht. Sehr oft steckt Technik aus Callcentern dahinter. Lästig bleibt es trotzdem, und gegen häufige Anrufe können Sie vorgehen.

Was bedeutet ein stiller Anruf?

Die häufigste Erklärung liefert die Bundesnetzagentur: Callcenter setzen automatische Wählsysteme ein, sogenannte Predictive Dialer. Diese wählen mehr Nummern an, als gerade Mitarbeiter frei sind. Gehen mehr Menschen ran als erwartet, bleibt für einige niemand übrig. Der Anruf bricht ab, oder Sie hören einfach Stille.

Für Sie heißt das: Hinter einem stillen Anruf steht in vielen Fällen kein Mensch, der Sie beobachtet oder bedroht. Der Computer hat nur zu viele Leitungen gleichzeitig aufgemacht. Ein Kommentator auf unserer Schwesterseite vermutet außerdem, dass ein Wählroboter so prüft, ob eine Nummer erreichbar ist. Belegen lässt sich das im Einzelfall nicht.

Wenn es nach einem solchen Anruf häufiger klingelt, ist das ein Hinweis auf einen Werbeanrufer, der es immer wieder versucht. Ein einzelner stiller Anruf ist dagegen meist keinen weiteren Gedanken wert.

Eine Spielart davon kennen viele: Sie nehmen ab, und die Verbindung bricht sofort ab. Auch das passt zum Wählcomputer. Findet das System in dem Moment keinen freien Mitarbeiter, trennt es die Leitung. Ein Rückruf bringt in solchen Fällen selten Klarheit.

Wann sind stille Anrufe Belästigung?

Die Bundesnetzagentur hat dafür klare Anhaltspunkte. Als Belästigung gelten solche Anrufe, wenn sie an Werktagen vor 8 Uhr oder nach 20 Uhr kommen, wenn sonntags Werbeanrufe eingehen oder wenn mehr als drei Anrufe pro Tag auflaufen. Bußgelder für bloße Anrufversuche gibt es zwar nicht. Die Behörde kann aber die Rufnummern abschalten lassen, und dafür braucht sie die angezeigte Nummer.

Auf Wemgehort.com finden sich Beispiele, bei denen die Grenze aus Sicht der Nutzer klar überschritten ist. Zu 17613852167 schreibt ein Nutzer von Telefonterror. Bei 71198809999 berichtet jemand, die Anrufe nerven und machen ihm Angst, ein anderer ordnet die Nummer einem Inkassobüro zu und berichtet von Kontakten per Mail und Telefon. Ob diese Angaben zutreffen, können wir nicht prüfen. Wer so etwas erlebt, sollte die Anrufe aber dokumentieren.

Für eine Beschwerde reichen ein paar Tage Notizen. Halten Sie fest:

  • Datum und Uhrzeit jedes Anrufs,
  • die angezeigte Nummer oder den Hinweis, dass keine Nummer zu sehen war,
  • ob sich jemand gemeldet hat oder nur Stille war,
  • ob der Anruf an einem Sonntag, vor 8 Uhr oder nach 20 Uhr kam.

Damit lässt sich schnell zeigen, ob eine der Grenzen der Bundesnetzagentur überschritten ist.

+000000000 und Nullen im Display: Was heißt das?

Die Nummer +000000000 wurde auf unserer Schwesterseite Wemgehort.de zuletzt über hundertmal nachgeschlagen. Ein Nutzer schreibt, er habe nur Nullen im Display gesehen, gar nicht erst abgenommen und die Nummer in seiner Fritzbox gesperrt. Ein anderer meint, unter ähnlichen Ziffernfolgen laufe das gleiche Spiel.

Eine Anzeige aus lauter Nullen ist keine echte Rufnummer. Sie deutet auf eine manipulierte oder nicht geprüfte Absenderkennung hin. Welche Ursache im Einzelfall dahintersteckt, lässt sich von außen nicht sagen. Zurückrufen können Sie ohnehin nicht, und abheben müssen Sie auch nicht.

Gesetzlich gibt es dazu einige Regeln. Nach § 120 TKG dürfen 110 und 112 nicht als Anrufernummer erscheinen. Kommt ein Anruf aus einem ausländischen Netz mit einer deutschen Nummer, muss diese grundsätzlich unterdrückt werden, mit einer Ausnahme für Handys im Roaming. Dass trotzdem merkwürdige Anzeigen im Display auftauchen, zeigen die Kommentare unserer Leser.

Lässt sich ein Anruf ohne Nummer zurückverfolgen?

Selbst können Sie eine unterdrückte Nummer nicht sichtbar machen, und Apps, die das versprechen, sollten Sie skeptisch sehen. Bei einzelnen stillen Anrufen lohnt der Aufwand auch nicht.

Anders ist es, wenn Sie über Tage oder Wochen belästigt oder gar bedroht werden. Dann wenden Sie sich an die Polizei und erstatten Anzeige. Fragen Sie auch Ihren Telefonanbieter, welche Möglichkeiten er bei anhaltender Belästigung bietet, zum Beispiel eine Fangschaltung. Führen Sie ein kurzes Protokoll mit Datum, Uhrzeit und Anzeige im Display.

Ich habe abgenommen oder zurückgerufen: Was jetzt?

Abnehmen allein schadet nicht. Kostenpflichtig sind Anrufe für den Angerufenen in Deutschland nicht, und durch Stille in der Leitung kann niemand an Ihre Daten kommen. Reden Sie trotzdem nicht lange ins Leere. Nach ein paar Sekunden Stille legen Sie einfach auf.

Haben Sie eine angezeigte Nummer zurückgerufen, sehen Sie auf der nächsten Rechnung nach, ob ungewöhnliche Kosten aufgetaucht sind. Bei einer Auslandsvorwahl oder einer Sondernummer lohnt der Blick besonders. Ruft danach jemand an und verlangt Geld oder Daten, beenden Sie das Gespräch.

Stille Anrufe abstellen und melden

Auf dem iPhone können Sie Nummern über das Info-Symbol in der Anrufliste sperren. Gegen ständig wechselnde Nummern hilft die Einstellung „Unbekannte Anrufer stummschalten“, dann klingeln nur noch Kontakte und Nummern, mit denen Sie kürzlich Kontakt hatten. Auf Android-Geräten blockieren Sie in der Anrufliste per langem Tippen, je nach Hersteller gibt es zusätzlich eine Option für unbekannte Anrufer.

Am Festnetz mit Fritzbox richten Sie in der Benutzeroberfläche unter Telefonie eine Rufsperre ein, so wie es der Nutzer mit den Nullen im Display gemacht hat. Melden Sie häufige stille Anrufe mit der angezeigten Nummer bei der Bundesnetzagentur, die Wege dazu stehen unter bundesnetzagentur.de/aergermitrufnummern.

Ob eine Nummer schon anderen aufgefallen ist, sehen Sie auf Wemgehort.com. Wenn Sie einen Kommentar schreiben, nennen Sie am besten Uhrzeit und Häufigkeit. Das hilft anderen bei der Einschätzung, ob es sich um einen Wählcomputer handelt.

Haben Sie einen Festnetzanschluss ohne Fritzbox, schauen Sie in die Anleitung Ihres Routers oder Telefons. Viele Geräte haben eine eigene Sperrliste. Hilft das nicht weiter, fragt man am besten beim eigenen Telefonanbieter nach.